Klein, aber fein – Das Stadtarchiv in Schorndorf

Wir, die Klasse 9d hatten am 10. und 17. April die Gelegenheit das Stadtarchiv in Schorndorf zu besuchen.

Dort wurden wir sehr freundlich von Herrn Winkel empfangen, der uns zuallererst in den kleinen Lesesaal führte und uns dann die Funktionen eines Archivs erklärte.

Überrascht waren wir davon, dass Archive nicht nur Aufbewahrungsorte vergangener Zeiten sind, sondern auch als wichtige demokratische Säule bezeichnet werden können. Nicht nur hat jeder einzelne von uns das Recht Akten einzusehen, sie sind gerade in unseren Zeiten von Fake News und geschichtsrevisionistischen Tendenzen unabkömmlich.

Herr Winkel hatte für uns verschiedene Quellen der Nachkriegszeit in Schorndorf bereitgestellt. Wir konnten uns z.B. die Liste der ZwangsarbeiterInnen eines Unternehmens anschauen, wobei wir feststellten, dass die allermeisten sehr jung waren.

Eine andere Quelle zeigte die Namen von SchülerInnen, die, meist als Vertriebene nach Schorndorf kamen und auch die Einschätzung ihrer LehrerInnen. So bat beispielsweise ein Vater die Schule seiner Tochter um eine spätere Einschulung, da sie durch die Strapazen des Krieges noch zu sehr geschwächt war.

Zusätzlich durften wir auch Quellen zur Entnazifizierung in Schorndorf bearbeiten und erkannten, dass sich die Frage, ob sich jemand im Nationalsozialismus schuldig gemacht hatte, oft durch die fragwürdige Praxis der sogenannten Persil-Scheine ad absurdum geführt wurde.

Wir fanden es sehr interessant, Quellen aus Schorndorf zur Zeit des Nationalsozialismus zu sehen und so an einem anderen Lernort etwas über die Geschichte unserer Stadt zu erfahren.

Elisabeth Wassermann, 9d

Wie erinnert man sich richtig? Stadspaziergang durch Schorndorf

Wie erinnert man sich richtig? Gibt es überhaupt richtiges und falsches Gedenken der Vergangenheit? Sollte man einen Unterschied zwischen verschiedenen Epochen ebenso wie zwischen individuellem und kollektivem Erinnern machen?

All diese Fragestellungen brachte den Geschichte Grundkurs der Jahrgangsstufe 2 dazu, sich trotz regnerischem Februarwetter auf einen historischen Spaziergang zur Stadtgeschichte ihrer Heimatstadt Schorndorf zu machen.

Eingebettet in den Rahmen der hervorragenden GFS ihrer Mitschülerin zum Thema „Belastetes Erbe – die Lederfabrik Breuninger im Nationalsozialismus“ besuchten wir dazu die Mahnmäler auf dem Alten Friedhof zum Gedenken der Opfer des NS-Regimes sowie der Zwangsarbeiter, warfen einen Blick auf das Künkelin-Mosaik, diskutierten im Breuniger-Areal über die heutigen Maßstäbe für Platzbenennungen, hielten bei den Stolpersteinen in der Römmelgasse inne und schloßen unseren Besuch beim Geburtshaus von Gottlob Kamm ab.

Ob wir all unsere Fragestellungen glasklar und eindeutig beantworten konnten, bleibt fraglich. Aber es scheint heutzutage doch viel wichtiger und wertvoller zu sein, sich überhaupt Fragen zu stellen, Diskussionen einzugehen und auszuhalten, nachzudenken, zuzuhören und immer mal wieder seine Wohlfühlblase zu verlassen.